SS185

Ich habe der Honda gestern schöne Straße versprochen und muss mich nur noch entscheiden, ob ich heute die SS120 (nach Westen) oder die SS185 (nach Norden) fahre; beide sehen auf Google Maps sehr verlockend aus.

Der Wetterfilm nimmt mir die Entscheidung ab. Wenn ich trocken bleiben will, geht’s nur nach Norden. Also die SS 185.

Die Straße durch die Berge ist fantastisch und in einem für süditalienische Verhältnisse fabelhaften Zustand. Die Stellen mit unterspülter und halb weggerissener Fahrbahndecke, von denen ich im Internet gelesen hatte, wurden mittlerweile repariert und es gibt keine einzige wirklich kritische Stelle auf meinem Weg.

Und spätestens zwischen Novara di Sicilia und Mazzara St Andrea gerät man unweigerlich in einen Kurvenrausch.

Pfui! Aus! Nein, Marie, hier wir NICHT abgebogen:

Novara Di Sicilia

In Mazzara St Andrea halte ich gegen halbdrei vor einer kleinen Bar. Der freundliche alte Mann, der Pfeife rauchend davor sitzt, bedeutet mir mit Händen und Füßen, dass in 5 Minuten aufgemacht wird. Ich gehe ein paar Meter weiter auf die kleine Piazza des Dorfes, setze mich dort unter dem großen Baum auf eine Bank und verschlinge alles Essbare, das sich noch im Tankrucksack befindet: 1 Banane, 1 Nektarine und 2 Mistelbaumfrüchte aus dem Garten meiner Herbergsmutter.

Kurze Zeit später kommen Zwei um die Dreißig mit großen Trekkingrucksäcken ebenfalls dort an. Die beiden sind zu Fuß durch die Berge von Palermo nach Rom unterwegs. Er, Francesco, hat gerade seinen Doktor in Mathematik und Physik gemacht und das hier soll noch mal eine letzte grössere Reise sein, bevor er sich einen richtigen Job suchen will. In 2014 war er schon ein Jahr lang mit dem Fahrrad – von Bologna bis nach Vietnam – unterwegs, was man sich hier anschauen kann.

Francesco

Die beiden spendieren mir ein paar unglaublich leckere selbstgemachte Kekse; ein Geschenk des Bauern, bei dem sie die letzte Nacht verbracht haben.

Der alte Mann vor der Bar winkt herüber: es wird geöffnet! und ich gehe auf einen Espresso in die Bar.

Der für so ein abgelegenes Dorf auffällig geschmackvoll eingerichtete und gut bestückte Laden gehört Antonino. Er steht hinter der Theke und fragt zweimal nach, ob ich wirklich alleine bin? Si, no compagno. Er nennt mich eine Bella Donna und besteht anschließend auf einem Foto mit der ersten Frau auf einem Motorrad und „senza Compagno“, die hier durchkommt.

Meinen Espresso darf ich hier natürlich wieder nicht bezahlen.

Leben ist schön!

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