Teil 1: Auf dem Weg nach Aquitanien

Erster Zeltaufbau zur Probe in Zündorf an der Groov.

Ohne die telefonische Hilfe von Outdoor-Experte Frank hätte ich vermutlich noch länger versucht, die Enden der Zeltstangen in den Boden zu rammen. Als ich völlig verschwitzt bei ihm anrufe und Bilder vom Zelt hinterherschicke, lacht er sich erst mal kaputt und erläutert mir dann, dass das Zelt eine frei stehende Konstruktion ist, die später noch mit HERINGEN abgespannt werden kann.

Päh, sowas kann man ruhig auch mal in die Bedienungsanleitung schreiben.

Es geht los: zwei Gepäckrollen und ein Tankrucksack – das muss reichen. Die Regenkombi – mal wieder in der obligatorischen Plastiktüte – gibt bei jedem Ampelstopp ein nettes Rückenpolster

Erster Campingplatz „La Samaritaine“ in Buzancy in den Ardennen: Die Wiese ist vom Nieselregen zu weich für den Seitenständer meiner Honda. Abhilfe schafft ein Holzbrett, dass mir die freundliche Betreiberin reicht, die mich bestimmt gleich als Camping-Anfängerin erkannt hat.

Auf dem Weg nach Veneux les Sablons irgendwo im gefühlten Nirgendwo: Die Champagne war im ersten Weltkrieg Schauplatz heftiger Kampfhandlungen. Das „Totendenkmal von Navarin“ ist eine riesige Pyramide, in denen die Überreste von mehr als 10.000 Soldaten aller Nationalitäten ruhen.

Totendenkmal von Navarin

In Veneux les Sablons, Camping „Les Courtilles du Lido“:


Abends gibt es am Eingang des Platzes Pizza und leckeres Leffe-Bier.
In der Nacht beginnt es zu regnen. Finde ich gemütlich und weiss ja, dass man für den Zeltabbau am nächsten Morgen nur auf eine Regenpause zu warten braucht. Leider kommt diese Pause bis in den Vormittag hinein nicht und nachdem ich einige Male vergeblich versucht habe, das Aussenzelt blitzschnell mit einem Schwammtuch zu trocknen, lerne ich auch, wie man bei Regen ein Zelt abbaut: einfach beherzt das nasse Zelt einpacken!

Im Dauerniesel fahre ich heute nur bis Sully-sur-Loire. Der Regen schien mir beim Losfahren noch nicht stark genug für die Regenkombi. Aufgrund dieser fröhlichen Fehleinschätzung komme ich entsprechend nass und verfroren dort an und Camping ist für mich erst mal perdu.
Im „Hotel La Tour“ dusche ich lange und heiss. Bei dem Sauwetter bleibe ich auf dem Zimmer, bis es Zeit fürs Abendessen wird. Als ich vorher noch einen Supermarkt aufsuche, um ein paar Vorräte für den Tankrucksack zu kaufen, bekomme ich von einem Mann hinter mir in der Kassenschlange einen wirklich tollen Tipp für ein Restaurant im Ort, von dem ich Euch leider nur noch das Dessert zeigen kann:

köstliches Pfirsich-Tiramisu

(Im Übrigen mein einziges Foto von diesem Tag)

Pinkelpause in Châteauroux
Camping le Freaudour

Nach einem herrlichen und trockenen Fahrtag komme ich bei Abendsonne in Saint Paroux bei Limoges an.
„Camping le Freaudour“ liegt an einem kleinen See. Bevor ich das Zelt zum Trocknen ausbreiten kann, habe ich wegen des weichen Bodens erst mal einen sanften Umfaller. Der nette Familienvater vom Platz nebenan ist schnell bei mir und hilft, die Honda wieder aufzurichten. Seine Frau bringt noch eine dicke DinA-5-Ausgabe der „Glamour“, die als Seitenständer-Unterlage für eine Nacht super funktioniert.
Ich bedanke mich überschwänglich – die Glamour sah noch ungelesen aus…

Abendstimmung am See

Hungrig stapfe ich den Hang zum Campingrestaurant hinauf. Das leider schon geschlossen hatte; gerettet werde ich von einem älteren holländischen Paar auf der anderen Seite meines Zelts. Als sie mitbekommen, dass ich erfolglos vom Restaurant zurückkehre, bringen sie mir Baguette und etwas Käse vorbei – zusammen mit den Trauben aus meinem Tankrucksack eine fantastische Mahlzeit, für die ich sehr dankbar bin.

Morgenspaziergang am See, bevor es weiter geht Richtung St. Emilion.

„Camping Le Pressour“ (15 km vor Saint Emilion) inmitten von Weinreben

Erster Besuch am Zelt

Die Sonne versinkt auf Le Pressoir:


Hier habe ich abends im Zelt einen kleinen Nervenzusammenbruch: die Nachwehen des heutigen Vorfalls an einer Landstrasse auf meinem Weg hierher.

Ich hatte mal wieder auf dem Seitenstreifen angehalten, um mich mit dem iPhone zu orten und mir einen Überblick über den weiteren Routenverlauf zu verschaffen. Weit und breit kein Verkehr, ich war ganz alleine auf der Landstrasse, die in jede Richtung eine Fahrspur und einen Seitenstreifen aufweist. Ich sitze also auf der Honda und bin wohl schon einige Minuten in den Routenverlauf auf dem kleinen Handydisplay vertieft, als mich ohrenbetäubendes Hupen aus meiner Konzentration reißt. Als ich aufblicke, rasen ein Paar runde Schweinwerfer im Affenzahn auf mich zu – anscheinend um mich im nächsten Moment über den Haufen zu fahren.

Das ganze ist völlig irreal: Der Fahrer hupt wie verrückt und blendet mich mit den Schweinwerfern, während er auf „meinem“ Seitenstreifen auf mich zurast. Kein weiteres Fahrzeug, soweit das Auge reicht, nur er und ich. Alles geht so schnell, durch mein Hirn saust tatsächlich nur der Gedanke „Schade, das war´s dann wohl…“. Der Wagen ist schon so nah, dass ein Hechtsprung von der Honda nur bedeuten würde, dass er mich dann eben neben meinem Motorrad überfährt.

In allerletzter Sekunde reisst er das Steuer herum und fährt links von mir vorbei und ich nehme in einer Art Schockzustand nur noch zwei Personen mit Spiegelbrillen im Auto wahr, die sich fast totlachen. Dann ist es vorbei.

Ich bin weitergefahren und habe später noch irgendwo am Rand der Strecke eingekauft, tatsächlich ohne noch einmal daran zu denken. Ich habe auf „Le Pressoir“  eingecheckt, nach Rundgang über das Gelände, Dusche und Abendessen noch eine ganze Weile mit einem Mojito an der Bar gesessen und mich schließlich zum Schlafen ins Zelt gelegt. Erst in dem Moment, als ich die Augen schließe und ein paar runde Scheinwerfer auf mich zurasen sehe, fange ich an zu zittern und heule wie ein Schlosshund.

Auf dem Weg nach St. Emilion

Ankunft in Saint Emilion, das zu den bedeutendsten Weinbaugebieten Südfrankreichs gehört.

Reben für den heimischen Garten

Das mittelalterliche St. Emilion mit seinen Kirchen und Kapellen gefällt mir gut. Seit 1999 zählt es zum Weltkulturerbe der Unesco. Hier fühlt es sich zum ersten Mal so richtig nach SÜDEN an.

Für Großansicht auf die Bilder klicken, Blättern mit den Pfeiltasten oder auch (auf  Mobilgeräten) wischen:

Am Schluss habe ich dann aus Neugier doch noch ein Häppchen Foie Gras probiert.
Bei aller Ethik: war DAS LECKER! Der Verkäufer hat mir versichert, dass bei seiner Methode die Gänse nicht leiden. Wie das gehen soll, hat sich mir nicht erschlossen und ich werde es wohl bei diesem Probehappen belassen.

Nach der Mittagspause in St. Emilion geht es weiter – über Bordeaux bis an den Atlantik bei Carcans Plage.

Der große Campingplatz im Wald hinter den Dünen war ein Super-Tipp von Freund Peter:

 

Glück gehabt: ich surfe nicht

Der Atlantik und die endlosen Strände sind großartig und 3 Tage lang lasse ich mich hier von den Wellen schaukeln, wenn ich nicht gerade auf der Honda die Nachbarschaft erkunde oder lange Strandspaziergänge mache.

Ausflug ins benachbarte Lacanau

Schöner Kollege, wenn ich das mal so sagen darf:


In den leichten und kuscheligen Daunenschlafsack von Yeti bin ich mittlerweile total verliebt.
Und beim Einschlafen höre ich, wie die Wellen an den Strand rauschen – gibt es etwas Gemütlicheres?

 

Im „Les Mouettes“ im Zentrum von Carcans Plage habe ich jetzt in der Nachsaison hauptsächlich kleine Spatzen und ein paar Wespen als Gesellschaft, wenn ich in der Morgensonne frühstücke.

 

„Les Mouettes“

An meinem letzten Abend in Carcans Plage esse ich hier besonders lecker: Rochenflügel an Karottenmus, hmmm.

Ab morgen früh bin ich in der Bretagne unterwegs.