Tag 13: Mandelbachtal – Köln / Fazit

Der letzte Tag meiner Reise beginnt grau bei noch leichtem Regen. Passt irgendwie. Ich frühstücke noch ausgiebig und in aller Ruhe. Die Gaststube ist warm und gemütlich. Schön, hier zu sitzen und bei Kaffee und dem leisen Gemurmel der anderen Gäste ein bisschen auf dem iPad zu surfen. Heute Abend schlafe ich schon wieder zuhause, hm.

Bevor ich schließlich abfahre, mummele ich mich sorgfältig in die Regenkombi ein. Auf der Autobahn wird das Wetter nicht besser und ich bekomme zum ersten Mal über längere Zeit richtig starken Regen ab.

Als ich ungefähr auf halber Strecke an einer Tankraststation Pause mache, lasse ich mich unter dem Vordach erst mal abtropfen, bevor ich mich hinein traue. Innen ist jede Menge los, aber der Laden ist so groß und gut organisiert, dass ich trotz größerer Reisegruppen weder auf eine freie Toilette noch auf mein Essen lange warten muss. Ich trinke erst mal einen heißen Kaffee, um mich aufzuwärmen. Die Regenkombi mag ich nicht ausziehen und stelle mich anschließend der Herausforderung eines Toilettenbesuchs in voller Montur. Das wird eine ganz neue Erfahrung und dauert ein wenig. Von der Regenkombi bin ich ich einigermaßen beeindruckt: sie hat offenbar keinen Tropfen Wasser durchgelassen.

Danach esse ich eine heiße Bockwurst mit warmem Kartoffelsalat, beides schmeckt ganz annehmbar. Draussen gießt es noch immer in Strömen und ich ziehe meine Pause so gut es geht in die Länge. Irgendwann bin ich supersatt und aufgewärmt, habe eine Weile abwechselnd den Regen und eine chinesische Reisegruppe am Nebentisch beobachtet. Es wird langweilig und ich akzeptiere, dass sich am Wetter voraussichtlich nichts ändern wird. Also ab nach Hause. Ich finde es gar nicht so schlimm, ausnahmsweise im strömenden Regen über die Autobahn zu fahren. Wenn die Regenkombi, wie in meinem Fall,  funktioniert, hat man es darunter ziemlich mollig. Die Autos und LKW fahren einigermaßen vorsichtig und bei konstanten knapp 100 km/h muss man nur aufpassen, dass man sich nicht dem tranceartigen Zustand hingibt, zu dem die ablenkungsarme Umgebung verleitet: Himmel und Erde verschwimmen in dem nassen Grau und man orientiert sich hauptsächlich an den roten Rücklichtern der Vorausfahrenden. Unterm Helm erzähle ich mir Geschichten, um nicht wegzudösen.


Fazit der Reise:
Zum ersten Mal mit dem Motorrad unterwegs. Das war schön, aufregend und manchmal auch anstrengend. Alles an dieser Art zu Reisen war neu und ich war voll und ganz damit beschäftigt, mit meiner Honda zusammenzuwachsen und die Reise einfach weitergehen zu lassen.

Was ich gelernt habe:

  • Wer vorher wenig plant, hat unterwegs umso mehr damit zu tun, geeignete Übernachtungsmöglichkeiten (an einer passenden Route) und manchmal auch etwas Gutes zu essen zu finden. Das hat teilweise viel Zeit gekostet und auch schon mal genervt. Andererseits konnte ich dadurch auch jederzeit spontan dem guten Wetter nachfahren und bin nur selten einmal nass geworden.
  • Zwei Wochen sind für einen Flow, wie ich ihn mir vorstelle, viel zu kurz. Am südlichsten Punkt meiner Reise war ich gerade erst auf den Geschmack gekommen und hätte immer weiter reisen und neue Gegenden erkunden mögen. Aber da musste ich dann schon wieder an die Heimreise denken.
  • Tagesetappen zwischen 200 und 300 km sind ausreichend für mich. Wenn ich ausschlafen und in aller Ruhe frühstücken und vielleicht noch ein Schwätzchen halten will, sitze ich selten vor 11 Uhr auf dem Motorrad. Mit kurzen Pausen zur Ortung oder um etwas zu Essen einzukaufen und einer längeren Pause zum Essen und zur Erholung zwischendurch bleibt dann genug Zeit für Umwege und ich kann – meistens – locker am frühen Abend im Hotel ankommen.
  • Es ist nicht besonders schlau, zur Feierabendzeit in größeren Städten anzukommen, um dann in der Rush-Hour sein Hotel suchen zu müssen.
  • Und last but not least: Meine Honda ist ein Schatz! Sie ist immer sofort angesprungen und hat sich in allen Situationen gut und sicher angefühlt. Eine zuverlässige Reisegefährtin eben.

Was das Motorradfahren angeht, bin ich zum ersten Mal „satt“ geworden. (Ich weiß noch nicht, dass ich mir den typischen Motorradreisevirus eingefangen habe und schon einige Tage nach Ende dieser Reise nicht mehr aufhören kann, an die nächste Tour zu denken. Und daran, wie ich eine mindestens mehrmonatige Reise realisieren kann, bei der ich mich ohne Zeitdruck treiben lassen kann…)