Das erste Mal 2015

Schwarzwald – Elsass – Auvergne – Route des Cretes

Mai 2015: es ist soweit, ich fahre zum ersten Mal mit meinem Motorrad in den Urlaub!!

Wohin die Reise geht, ist zu dem Zeitpunkt noch gar nicht so wichtig. Ich will bloß fahren, fahren, fahren… Anyway: ein grobes Ziel wäre natürlich schon gut 😉 .

Ich habe 2 Wochen Zeit und hatte als Reiseroute zunächst die Alpen und dann eventuell Italien angepeilt, aber die Wettervorhersagen sprechen von heftigen Unwettern und Schneefällen dort. Also fange ich wenige Tage vor der Abfahrt schon mal an, Alternativen in Betracht zu ziehen. Die tägliche Beobachtung der Wetterentwicklung bringt mich dazu, eine etwas westlichere Richtung einzuschlagen, bei der ich mich zunächst nur soweit von der ursprünglichen Route entfernen werde, wie das Wetter es nötig macht. Wenn sich die Aussichten in den Alpen kurzfristig bessern, mache ich dann einfach schnell ´rüber. Soweit der neue „Plan“.

In der Übersichtskarte (rechts in der Seitenleiste) seht Ihr die ungefähre Route, die ich am Ende tatsächlich gefahren bin.

Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, wieviele Kilometer man für eine Tagesetappe einplanen kann und ich bin gespannt, wie das für mich und die Honda in der Praxis aussehen wird.

Am Morgen der Abfahrt bin ich ziemlich aufgeregt. Beim Frühstück buche ich schon mal das erste Hotel für den Abend in Worms. Mit diesem nicht sehr fernen Tagesziel kann ich zunächst ganz entspannt am Rhein entlang cruisen, das wird sicher nett.

Ich habe mir einige Gedanken darüber gemacht, was ich für 2 Wochen im Mai unbedingt brauchen werde, um so wenig Gepäck wie möglich zu haben. Die Honda wird schließlich mit einer 49l-Gepäckrolle und einem winzigen Tankrucksack bepackt. Dank der Rokstraps, die ich mir am Tag vor der Abreise noch gekauft habe, sitzt die Gepäckrolle schön fest. Oben drauf pappt in einer schnöden Plastiktüte noch die Regenkombi. Das sieht zwar nicht schön aus, kommt aber meinen Vorstellungen von „griffbereit“ entgegen.

honda-gepackt

Bis ich endlich im Sattel sitze und den Zündschlüssel umdrehen kann, ist es schon später Vormittag, also, äh, …13 Uhr. Das nahe Worms war eine gute Idee – man kennt sich ja…. Der Himmel ist ziemlich grau und es fallen ein paar Tropfen, aber selbst wenn es schütten würde: JETZT hält mich nichts mehr auf!

Die ersten Stunden geht es zunehmend sonnig am Rhein entlang: über Bonn, Remagen, Bad Breisig und Koblenz und bis St. Goarshausen, wo ich feststelle, dass ich auf die falsche Rheinseite geraten bin. In Koblenz vermutlich. Ich absolviere meine allererste Fährüberfahrt mit dem Motorrad, rüber nach St. Goar. Auf der Fähre lerne ich den ersten anderen Motorradfahrer kennen. Ein Typ in meinem Alter, knuffiges Gesicht, graubrauner Zopf, der mit seiner Harley von einer Vatertagstour im Harz zurückkommt. Er ist auf dem Heimweg nach Föhren bei Trier. Wir plaudern kurz und dann ist die Überfahrt auch schon vorbei. Schnell Aufsitzen, runter von der Fähre. Noch ein paar Kilometer fahre ich hinter ihm her, dann biegt er rechts ab, kurzes Blinken, Winken, Tschüss! Ich fahre noch bis Bingen und mache dort eine längere Kaffeepause. Nach einem Blick auf die Uhr beschließe ich, ab hier auf direktem Weg, also über die Autobahn, Worms anzusteuern. Als ich dort ankomme, dämmert es dann auch schon. Das „Hotel Hüttl“ wird heute meine Bleibe sein:

hotel-huettl-worms

Direkt vor mir checken zwei Jungs, vielleicht Anfang Zwanzig ein. Die beiden sind auf einer Radrundreise durch Deutschland unterwegs. Der eine von den Beiden sieht gar nicht sportlich aus und macht auch einen ziemlich erschöpften Eindruck, während sein Partner ziemlich frisch aussieht und gleich noch joggen gehen will. Er strahlt die junge Dame am Empfang an, die etwas nervös wird hinter ihrer Theke.

Als ich beiden eingecheckt haben, bin ich an der Reihe. Sie rät mir davon ab, die Honda über Nacht auf der Straße stehen zu lassen und bietet mir einen Platz in ihrer kleinen Garage um die Ecke an. Die beiden Radler folgen uns, als sie mich dorthin führt; sie wollen ihre Fahrräder ebenfalls dort unterbringen. Bei der Garage angekommen bin ich froh, Hilfe zu haben, um die Honda in die winzige und ziemlich vollgestellte Garage zu bugsieren: in der engen Gasse, wo Anlauf nehmen unmöglich ist, lauert hinter dem hohen Bordstein vor der Garage noch eine tiefe Delle im Bürgersteig und mir fehlt noch eine Menge Übung mit solchen Sachen.  Ich versuche mit leicht zittrigen Beinen, über sämtliche Hinternisse zu rollen, ohne umzufallen. Einer der beiden Radler stabilisiert die Honda dabei von hinten und so geht alles gut.

Wie ich morgen wieder rückwärts hier herauskomme, sehen wir dann.

Nachdem ich mein Gepäck aufs Zimmer gebracht und geduscht habe, spaziere ich noch ein bisschen im Zentrum von Worms herum. Es ist schon fast dunkel und langsam habe ich Hunger. Nicht weit vom Hotel entfernt gibt es ein freundlich aussehendes indisches Restaurant. Von dort nehme ich mir ein Lammcurry mit hinaus auf den gegenüberliegenden Marktplatz und esse es unter freiem Himmel auf einer Bank.

Einigermaßen müde vom ersten Fahrtag verschwinde ich nicht lange danach schon in mein Hotel. Im Internet suche ich noch eine ganze Weile nach einem passenden Übernachtungsziel für morgen und checke auch die weitere Wetterentwicklung.

Vor dem Einschlafen visualisiere ich vorsichtshalber noch einmal, wie geschickt ich morgen früh die Honda aus der Garage befreie – flöt.

Zum nächsten Tag