Tag 12: Mein italienischer Moment…

ereignete sich heute morgen an der großen Kaffeemaschine des Hotels, bei der es unglaublich lange dauert, bis ein Café fertig in die Tasse getröpfelt ist. Wer hinter mir steht, den erwischt es doppelt hart, denn ich drücke nach den gefühlten fünf Minuten, die mein Cappuccino schon gebraucht hat, noch einmal auf die „Espresso“-Taste, weil erst dann für mich die Mischung stimmt.

Heute also stand ein italienischer Mann hinter mir und guckte ein wenig bräsig ins Leere; und wie gesagt, musste er das hinter mir ziemlich lange tun. Als mein Cappuccino ENDLICH fertig war, habe ich ihn kurz angesehen, mich etwas unbeholfen entschuldigt und wollte mich schon zu meinem Platz wegducken. Da strahlt er mich ganz unerwartet mit einem Lächeln an, als hätte ich den Café gerade für ihn höchstpersönlich zubereitet, als sei ich außerdem die schönste Frau an diesem Morgen und hätte selbstverständlich jedes Recht dazu, ihn hier so lange stehen zu lassen.  Mein Herz hüpft und ich muss an Carsten denken, der sich diese feine Art von den Italienern abgeguckt (vielleicht war es auch umgekehrt) und mich damit immer wieder beeindruckt hat.

Der Rest des Tages wird nicht schlechter: bei meiner Navigations-App gebe ich heute der Variante „Auto kurz“ den Vorzug. Was bedeutet, dass der Weg nach Verona einmal quer durch die apuanischen Alpen führt und kein Bergdorf ausgelassen wird.


„Auto kurz“ ist – ganz besonders hier – das Gegenteil von „Auto schnell“, wenn Ihr versteht, was ich meine, aber heute darf es ruhig dauern.

Letzter Blick zurück aufs Meer

 


Während ich am Meer war, hat hier in den Bergen der Herbst begonnen.

Ein höheres (kölsches) Wesen meint, „Wenn dat Mädsche schon alleine unterwegs is, dann soll et wenigstens drüsch blieve“. Das zumindest ist meine Theorie zu dem unfassbaren Wetterglück, das ich schon wieder habe. Lt Prognose war – vor allem in den Bergen – mit dem einen oder anderen Guss zu rechnen und dunkelgraue Wolken haben sich auch immer wieder bedrohlich genähert. Aber ich habe mal wieder keinen einzigen Tropfen daraus abbekommen.

Nach vier Stunden Kurvenflug inkl. kleinerer Fotopausen und einem kurzen Snack am Straßenrand habe ich in Castelbosco di Sotto das Gefühl, noch nie so dringend einen Café benötigt zu haben und falle von der Honda in eine Cafeteria.

Den Preis von 2,80 Euro für einen Cappuccino und ein Stück Pizza halte ich nach 3 Tagen in Forte dei Marmi zuerst für ein Missverständnis.

Danach schaffe ich die restlichen 90 Kilometer bis Verona einigermaßen locker. Mein 10 km vom Zentrum entferntes Hotel ist leicht zu finden und heute Abend genau richtig:  Sauna, Pool, Feierabend!

Wenn ich früh genug aufstehe, bleibt morgen Vormittag noch Zeit für ein bisschen Verona, bevor Mittags die Verladung am Autozug beginnt.

Gute Nacht

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